Wie Jörg Woltmann, Eigentümer der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin, hat auch Wilhelm von Boddien eine Leidenschaft für alte Kulturgüter und die preußische Geschichte. Mit seinem Förderverein ermöglichte er den Wiederaufbau des Berliner Schlosses. Ein Gespräch über Wagnisse, die es sich lohnt einzugehen, und Spuren, die wir im Leben hinterlassen.

Wilhelm von Boddien (l.) und Jörg Woltmann (r.) im Innenhof der KPM. Bilder: Peter Rigaud

JÖRG WOLTMANN: Lieber Herr von Boddien, es war für mich faszinierend zu beobachten, wie Sie sich in den vergangenen 30 Jahren dafür eingesetzt haben, dass das Berliner Schloss in seiner alten Pracht wieder aufgebaut wird. Über 100 Millionen Euro Spenden konnten Sie inzwischen sammeln. Was hat Sie angetrieben?

WILHELM VON BODDIEN: Ich habe mich 1961 in die Idee verliebt, das Schloss zurückzuholen. Damals war ich 19 Jahre alt und besuchte Ostberlin. Ich stand auf dem Aufmarschplatz, wo sich einst das Berliner Schloss befand und später der Palast der Republik errichtet wurde. Diese Tristesse dort hat mich umgehauen. Vor der Wiedervereinigung hatte ich das Schloss bereits als Hobby, ein sehr intensives Hobby: An den Wochenenden gab es das Mittagessen bei uns zu Hause nur in der Küche, weil der Esstisch mit Alben und Bildern vom Schloss voll belegt war, und ich mich weigerte, diese wegzuräumen.

Wilhelm von Boddien steht nachdenklich an Glasscheibe

Wilhelm von Boddien

Geboren 1942 in Stargard in Pommern. Nach dem Abitur machte von Boddien eine kaufmännische Lehre und trat in die Firma seines Vaters in Bargteheide ein. 1992 gründete er den Förderverein Berliner Schloss e.V., der sich für die Rekonstruktion des Schlosses auf der Spreeinsel engagiert. 1993/1994 veranstaltete er die Ausstellung „Das Schloss?“ und ließ eine Simulation an dessen altem Platz errichten. 2004 übernahm er die Geschäftsführung des Vereins. Von Boddien lebt in Hamburg und ist Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse.

„Wir beide haben ja jeweils eine fast aussichtslose Sache gestartet. Ich habe in dieser Zeit gelernt, wie breit die Schultern von Frauen sein können, wenn man sich anlehnen und ausheulen möchte.“

— Wilhelm von Boddien

Jörg Woltmann steht lächelnd im Innenhof der Königlichen Porzellan-Manufaktur in Berlin
Jörg Woltmann, geboren 1947 in Berlin. Im Februar 2006 übernahm er als Alleingesellschafter die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin.

JÖRG WOLTMANN: Ein altes Kulturgut retten zu wollen, ist ein Wagnis.

WILHELM VON BODDIEN: Ja, und man muss sagen, dass wir beide eine fast aussichtslose Sache gestartet haben. Ich kenne die wundervolle Institution KPM bereits seit Senatszeiten. Wenn ich bei einem offiziellen Essen in Berlin war, dann wurde stets auf KPM Geschirr serviert. Aber die Manufaktur lag am Boden. Es gab eine Experimentierphase von sechs, sieben Jahren, in der die KPM immer wieder vor der Insolvenz stand. Und dann traten Sie auf und haben für mich die größte missionarische Tat vollbracht: Sie haben diese preußische Ikone gekauft und wieder nach vorne gebracht. Und das mit Stil und einer bewundernswerten Passion. Sie haben die KPM aus eigener Tasche bezahlt. Weil Sie der Gesellschaft etwas zurückgeben wollten. Das ist eine Größe, die heute selten geworden ist…

Preußisches Kulturerbe: Im Innenhof der Manufaktur stehen in einer Vitrine Porzellanbüsten von Friedrich dem Großen.

„In der Eingangshalle des Berliner Schlosses werden auf einer Tafel die Großspender geehrt: Ihr Profilrelief ist auf Medaillons aus KPM Porzellan zu sehen.“

— Wilhelm von Boddien

JÖRG WOLTMANN: Zum Glück gab es in den vergangenen Jahren nicht nur schlaflose Nächte, sondern auch unzählige schöne Momente. Ein besonderer Augenblick war für mich zum Beispiel, als der chinesische Ministerpräsident mit Angela Merkel die KPM besuchte und ich ihm die Manufaktur zeigen konnte. Obwohl Porzellan ja ursprünglich aus China kommt, war er sehr beeindruckt von der Geschichte der KPM und von dem, was diese Manufaktur in Berlin geschaffen hat. Was war für Sie ein besonderer Glücksmoment?

WILHELM VON BODDIEN: Als ich am 4. Juli 2002 im Reichstagsgebäude saß und der Bundestag endgültig entschied, dass das Schloss gebaut wird. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und Norbert Lammert, der spätere Bundestagspräsident, haben neben anderen Politikern damals bewegende Reden gehalten. Danach fand die Abstimmung statt und quer über alle Parteien kam eine Zweidrittelmehrheit zustande. Da wusste ich: Jetzt haben wir es geschafft. Der Rest war nur der Kampf ums Geld, und den konnten wir dann ja auch gewinnen.

  • Wilhelm von Boddien sitzt auf Sofa
    Wilhelm von Boddien in der historischen Ringkammerofenhalle
  • Jörg Woltmann steht lächelnd im Innenhof der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin
    Jörg Woltmann im Innenhof der Porzellanmanufaktur

Das gesamte Interview lesen Sie in der KPM WEISS Ausgabe Nr. 04.


Cover des WEISS magazine 2020
Wo Sie die ganze Story lesen können? WEISS Nr. 04

Für die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin konzipierte Storyboard 2017 ein eigenes Magazin: WEISS. Die vierte Ausgabe des jährlichen Kundenmagazins erschien im September 2020. Das Cover ziert ein Whippet-Hund als Besinnung auf den royalen Manufakturgründer Friedrich den Großen. Seine Lieblingshündin Biche wurde zur Muse für den handbemalten Becher.